Spirit Voyage

Starke Frauen bestärken einander. Basta!

10384042_562705533838353_2687596021549792066_nDie Bostoner Yogalehrerin und Künstlerin Siri Bani Kaur plädiert in diesem Artikel für mehr Selbstliebe und Achtung vor anderen Frauen. Das kommt gerade der Yogakultur zugute, die ja mehr und mehr auf schicke, schlanke und hippe Frauenkörper setzt.

Als ich ein kleines Mädchen war, erlebte ich immer wieder, dass meine Mutter andere Frauen abwertete und sich selbst runtermachte. Es  konnte zum Beispiel sein, dass meine Mutter mit mir an einer Dame vorbeiging und mir ins Ohr flüsterte: „Was hat die für fette Beine!“ Sie versuchte mir einzureden, dass ich mich niemals so gehen lassen dürfte, wie es diese oder auch andere Frauen es ihrer Meinung nach getan hatte. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, redeten eigentlich alle erwachsenen Frauen schlecht übereinander. Auch während meiner Teenagerjahre machte ich die Erfahrung, dass junge Frauen andere junge Frauen herabsetzten.

Meine Mutter war eigentlich immer auf Diät oder drosselte ihre Nahrungsmittelzufuhr. Die meisten ihrer Freundinnen benahmen sich ähnlich. Meine Mutter wollte gerne, dass ich mich auf eine bestimmte Art und Weise verhielt. Ganz besonders mein Aussehen wollte sie nach ihren Vorstellungen formen. Als Teenager rebellierte ich gegen ihr Bild. Ich borgte mir den Mantel eines Freundes aus, der mir viel zu groß war und der vornehmlich aus Sicherheitsnadeln bestand. Ich schnitt mir meine Haare ab und färbte meine kurzen Haare anschließend weißblond. Meine Mutter war entsetzt! Ich musste immer ein paar Schritte vor oder hinter ihr gehen. Sie fragte mich, warum ich mich eigentlich so hässlich machen würde. Ihre abwertenden Kommentare belasteten mich sehr.

Als ich mit meiner Tochter schwanger war, schwor ich mir, mit meinem Kind und mir selbst anders umzugehen. Ich achtete bewusst auf meine Worte, sprach nie herabwürdigend über andere Frau oder mich selbst. Ich finde, dass meine Tochter zu einer liebevollen, achtsamen und starken jungen Frau herangewachsen ist. Meine Tochter ist im Rugbyteam der Harvard Universität. Mich freut es sehr wahrzunehmen, dass sie und ihre Teamkolleginnen positive Einstellungen zu ihren Körpern haben. Anders als ich früher! Vor ein paar Monaten gab es eine Reportage über meine Tochter und ihre Mitspielerinnen zum Thema “Frauen und ihre Körper”. Ihr Team wählte das Zentrum für Kundalini Yoga in Boston (KYB) für das dazugehörige Fotoshooting. Die Geschichte ist in einigen Online – Magazinen (zum Beispiel in der Cosmopolitan) zu finden. Mich berührt, dass die Mädels mit sich und ihren Teamkolleginnen so liebevoll umgehen.  Ich fand es wunderbar zu lesen und zu hören, wie die Mädchen ihre Körper wahrnehmen. Hier ein Auszug aus einem Aufsatz der Mädchen, der im HARVARD POLITICAL REVIEW erschien:

Den eigenen Körper zu lieben ist ein Statement!                                                                                                                              Den eigenen Körper zu lieben ist grundsätzlich eine politische Handlung. Stolz auf sich zu sein, obwohl frau einen Körper hat, der „zu dick“, „zu dünn“ oder sonst wie „nicht ideal“ ist, das ist eine politische Aussage gegen die vielen Stimmen, die uns einreden wollen, dass unsere Körper irgendwie problematisch seien. Die Mainstream – Kultur macht makellose Körper zur Norm. Bilder von perfekten Körpern dominieren unsere Massenmedien. So bekommen Mädchen die Botschaft, dass nur schlanke und große Körper schön sind. Vielen Mädchen (in den USA) wird zu Hause beigebracht, ihre Beine in der Öffentlichkeit übereinanderzuschlagen und so wenig Raum wie möglich einzunehmen. Ihnen wird eingeredet, dass Schönheit viel wichtiger für ihr Fortkommen sei als Klugheit oder Stärke. Die Zeitschriften predigen, dass eine Frau konstant Diät halten und andauernd trainieren muß, um sich einen “Bikini – Körper“ anzueignen. Den soll sie dann im Schwimmbad vorführen, um sich begaffen zu lassen…. Es ist ein Beleg für die Frauenfeindlichkeit unserer Kultur, dass Frauen ermuntert werden, ihre Körper zu reduzieren und Haltungen einzunehmen, die Frauen so unauffällig wie nur möglich machen… (von Brooke Kantor, Helen Clark, Lydia Frederico)

“Das Beste, was du tun kannst, ist dich selbst zu loben. Wenn du vor einem Spiegel stehst und hineinschaust, dann stelle dir vor, dass du eine würdevolle Frau betrachtest. Sieh dich selbst als eine fähige, intelligente Frau. Bedanke dich für diese Fähigkeiten.  Das sollte ganz automatisch geschehen und eine reale Erfahrung sein.”
Yogi Bhajan, 31. Juli 1984

 

Sat Hari Kaur Bettina Stuelpnagel

Bettina Sat Hari Kaur Stülpnagel – Pomarius ist ausgebildete Schauspielerin und Kundalini Yoga Lehrerin. Sie hat 10 Jahre in dem Guru Ram Das Ashram in Hamburg gelebt und dort ihre Yogaausbildung absolviert. Außerdem hat sie über viele Jahre hinweg den Yoga direkt bei ihrem spirituellen Lehrer Yogi Bhajan gelernt. Sie ist eine der leitenden Trainerinnen in den 3H0 Fachausbildungen zur Yogalehrerin für Schwangere in Hamburg, Berlin und in Mülheim (in Aufbau) . Sie ist geprüfte Heilpraktikerin, Hypnosetherapeutin und NLP – Lehrtrainerin. Sat Hari Kaur hat drei Bücher rund um Yogathemen geschrieben, die bei Rowohlt und im Herder – Verlag erschienen sind. Außerdem hat sie verschiedene Artikel für Yogamagazine und medizinische Fachzeitschriften zu Papier gebracht. Über mehrere Jahre hinweg hat sie Yogaserien für die Frauenzeitschrift „Für Sie“ entwickelt. Sat Hari Kaurs Aufgabe bei Spirit Voyage Deutschland ist die Leitung der Redaktion des Blogs.

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