Spirit Voyage

Mondzyklus und Stimmungsschwankungen: Akzeptanz ist der erste Schritt…

moon-165959_640Ein Beitrag der Yogalehrerin Giulia Guerrini: Vor einer Woche heiratete meine beste Freundin. Ich war ihre Trauzeugin und half ihr bei den mannigfachen Hochzeitsvorbereitungen. Ich war glücklich, denn es machte mir viel Freude, dieser Freundin zu helfen. Bis mein Liebster mich eines Abends gegen 22:00 Uhr  heulend und hysterisch in meinem Zimmer vorfand, in das ich mich vorher zwecks kreativer Arbeit zurückgezogen hatte. Ja, auch Yoginis kriegen hysterische Anfälle! Und es war nicht einfach ein kleiner Wutanfall, weil die Klebe nicht richtig hielt oder die Wettervorhersage schlecht war. Es war ein richtiger, hysterischer Anfall.  Irgendwann begriff ich: „Ich habe meine Menstruation. Das geschieht gerade mit mir!“

Nun frage ich mich: Welche Hormone lassen manche Frauen jede Menstruation so erleben, als wäre es ihre allererste?  Welche Hormone bewahren uns davor zu begreifen, dass unsere Stimmungsschwankungen tatsächlich nichts mit dem bevorstehenden Ende der Welt zu tun haben, sondern einfach nur natürliche Auswirkungen der monatlichen Periode sind?

In dem Falle von Yoginis und Kundalini Yoga Lehrerinnen ist es sogar noch schlimmer: All die Arbeit, die man sich damit macht, um sich tief mit dem inneren Selbst und mit dem Rhythmus von Mutter Natur zu verbinden und die Eigenwahrnehmung zu stärken. Das macht uns nicht automatisch zu perfekten Wesen. Die Akzeptanz dessen ist der erste Schritt…   

Den yogischen Lehren zufolge haben wir uns dafür entschieden, auf einem Planeten zu leben, der von Gegensätzlichkeiten bestimmt ist. Hier sammeln wir Erfahrungen und können unsere Lehren daraus ziehen. Es ist vollkommen normal, Gefühle wahrzunehmen, die man im Allgemeinen als negativ bezeichnen würde. Sie sind Teil dieses Spiels. Es ist nutzlos, diese Gefühle abzulehnen oder sich dafür zu schämen.  Emotionen sind weder gut oder böse. Sie teilen uns einfach nur etwas darüber mit, wie wir mit Herausforderungen umgehen und in welcher Beziehung wir zu unserer Umwelt stehen. Ich finde es wichtig, mich daran erinnern zu können, wenn ich durch einen Gefühlssturm gehe. Das hilft mir, auf dem richtigen Kurs zu bleiben.  Noch wichtiger allerdings ist zu wissen, wie man dem Sturm entkommen und ein negative Erfahrung in eine positive Erfahrung umwandeln kann.  

Die Lehre des Yoga besagt: „Alles, was du brauchst, ist bereits in dir.“ Wir können uns entscheiden, uns auf den Kanal einzustimmen, den wir uns wünschen. Wir sind frei. Wir sind mächtig. Wir sind viel, viel mehr als das, was man uns glauben lassen möchte.   

“Denke daran, dass ein ausgeglichenes Leben einfach nur eine Angewohnheit ist. Jedes Mal, wenn du dich bewegst, finde heraus, wo das Gleichgewicht ist und handle dementsprechend.“ ~Yogi Bhajan

Voraussetzung Nummer Eins, um einen gesunden und ausgeglichenen Menstruationszyklus zu entwickeln, ist, dass du lernst zu entspannen. Dem Kundalini Yoga zufolge sammeln sich Stress und Spannungen bei Frauen in ihren Eierstöcken an. Wenn Stress chronisch wird, dann können sich verschiedene Leiden entwickeln, wie zum Beispiel unregelmäßige oder sehr lange Menstruationszyklen, zu viel oder zu wenig Blut, schmerzhafte Menstruationen oder fehlende Zyklen (Amenorrhoe). 

Eine yogische Lebensweise kann uns Frauen unterstützen, denn sie enthält wunderbare Übungen, Atemtechniken und Ernährungstipps, die uns helfen, Stressperioden mit tiefer Entspannung auszugleichen.   Auch kommen wir mit Hilfe von Yoga in einen tiefen Kontakt mit dem seit Urzeiten bestehenden weiblichen Zyklus, der so voller Bedeutung ist.  

Viele Frauen sehen ihre Menstruation als ein monatlich auftretendes Ärgernis an.  Die Periode scheint es ihnen schwer zu machen, ihren täglichen Ablaufplan einzuhalten. Das war aber nicht immer so. Die Menstruation hat letztendlich viele körperliche, psychologische und spirituelle Funktionen. Sie ist eine Zäsur in dem Übergang zum Erwachsenenalter, der Mutterschaft und jenseits dessen, im Übergang zum Alter einer Frau. Aus diesem Grunde wurde in vielen alten Kulturen die erste Menstruation mit Ritualen gefeiert. Die Frauen tanzten, sangen und erzählten. Sie unterstützen die jungen Mädchen während ihres Überganges zum Leben von erwachsenen Frauen.  In unserer Kultur geschieht oft das Gegenteil: Der ersten Menstruation wird mit Verlegenheit, Heimlichkeiten und einer negativen Einstellung zum Körper begegnet. Sie ist fast tabuisiert. Auf diese Weise entfernt man sich von der inneren, wahren Natur und von ihren Wundern…

 Meine Lieblingsübung während dieser Zeit im Monat ist eine Form der Kirtan Kriya.  Diese Meditation nutzt ein Mantra, dass wie das Rad des Lebens ist. Die Übung gleicht das Gehirn und die verschiedenen Eigenschaften der Persönlichkeit aus. Sie eignet sich wunderbar, um gewohnte Muster zu ändern und begleitet einen gut durch Veränderungsprozesse hindurch.  Das Mantra ist Sa (Unendlichkeit, Kosmos, Beginn),   Ta (Leben, Existenz),   Na (Tod), Ma (Wiedergeburt). Während du Sa chantest, berühren sich Daumen- und Zeigefingerkuppe, bei Ta Daumen und Mittelfinger,  bei Na Daumen und Ringfinger, bei Ma Daumen und kleiner Finger. Du liegst auf deinem Bauch. Dein Kinn berührt den Boden. Diese Meditation gleicht zu starke Stimmungsschwankungen aus. Dauer: 3 – 31 Minuten.Cycle-of-Life-Mirabai-Ceiba

 

  

 

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