Spirit Voyage

Karneval und Yoga – Patanjali und das kölsche Grundgesetz

Am 27. Februar ist Weiberfastnacht und das Rheinland steht in einer kollektiven Umkehrhaltung. Wir hier im hohenpatanjali Norden Deutschlands bekommen von den närrischen Tagen nicht viel mit.

Eine enge Freundin von mir stammt aus Quadrath-Ichendorf bei Köln, und allein der Name ihrer Heimat ist klingt schon recht durchgedreht, oder? Quadrath-Ichendorf – ich habe Jutta lange nicht geglaubt, das ihr Dorf wirklich so heißt.

Jutta hat mit Yoga und Spiritualität nicht viel am Hut. Sie ist bodenständig und humorvoll und hat ein großes Herz, Jutta schenkt immer süß verpackte Päckchen zu Geburtstagen, kümmert sich rührend um liebeskranke Freundinnen und verschickt humorige Grußkarten. Vor einigen Jahren landete eine solche Karte bei mir, auf der Vorderseite prangte: ET KÖLSCHE JRUNDJESTZ (Das Kölsche Grundgesetz). Die Kölner lieben ihre elf Lehrsprüche – wenn man beispielsweise in Köln/Bonn am Flughafen landet,kann man die Weisheiten sogar eingraviert in die Scheiben der Ankunftshalle bewundern. Ich schätze diese Art von Kulturpflege, und den Humor, der sich hier so elegant versteckt. Die Kölner können sich gut selbst auf den Arm nehmen.

An dieser Stelle ist nun die folgende Frage erlaubt: wie bekommt Stefanie jetzt die Kurve zum Yoga? Ganz einfach: Et Kölsche Jrundjesetz (versucht das mal auszusprechen!) ist verwandt mit den Lehrsprüchen des Yoga-Weisen Patanjali. Jawohl!

Der Meister rät uns, nicht an materiellen Dingen festzuhalten. Die Kölner kontern lässig mit §6: „Kennen mer nit, bruche mer nit, fott domet“ (Kenn wir nicht, brauchen wir nicht, fort damit).

Patanjalis Aufforderung zu Disziplin beantwortet der Rheinländer mit §7: „Vun nix kütt nix“ (Von nichts kommt nichts). Der Yogi pflegt toleranten Umgang mit den Mitmenschen – mit §9 „Jede Jeck es anders“ (Jeder Verrückte ist anders) klappt es ebenso.

§2 „Et kütt, wie et kütt“ (Es kommt wie es kommt) beherbergt für mich den größten Schatz an Weisheit und Patanjali würde zustimmend nicken. Wir sollten im Fluss des Lebens schwimmen: Strömungen, Wellen, Treibholz inbegriffen. Es kommt wie es kommt, also möglichst locker bleiben. Et hätt noch immer jot jejange, lautet §3.

Heute und die kommenden Tage wird im Rheinland wild gefeiert geflirtet und getanzt. Denn das Leben will gefeiert werden!

Hier kommen 14 Songs, die ich heute während meiner Yogapraxis spielen und mitsingen werde: auch ich möchte närrisch sein! Die Lieder sind eng verknüpft mit meinem Yoga-Weg, sie handeln von Liebe, Herzschmerz, Verzeihen, der Suche nach innerer Freiheit und dem Gewahrwerden der göttlichen Quelle.

  1. I love to move in here (Moby)
  2. Mysterious Ways (U2)
  3. One (Johnny Cash)
  4. Sowing the Seeds of Love (Tears for Fears)
  5. Mountains O’Things (Tracy Chapman)
  6. Funky Guru (Prem Joshua)
  7. Blinded by the Light (Manfred Mans Earth Band)
  8. Losing My Religion (REM)
  9. Child in Time (Deep Purple)
  10. The Power of Love (Frankie Goes to Hollywood)
  11. Servant of Peace (Snatam Kaur)
  12. Stairway to Heaven (Led Zeppelin)
  13. I am (Guru Singh with Seal & friends)
  14. Bolo Ram (Wah!)

Stefanie Alma Wilke ist am Meer aufgewachsen und arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin in Hamburg. Sie schrieb für Kultmagazine wie Allegra, Jetzt, Max und die deutsche Vanity Fair, die es heute allesamt nicht mehr gibt. Auch deshalb kümmerte sich die Autorin irgendwann um ihr seelisches Wohlbefinden und kam so, vor 11 Jahren, ins erste Bikram Yoga Studio in Deutschland. Kurze Zeit später begleitete sie Bikram Choudhury auf einer Reise nach Indien für eine Reportage, wahrhaft unvergessliche Wochen. Der Yoga ließ sie nicht mehr los und seither pilgert sie neugierig durch unterschiedliche Schulen. Im Jahr 2011 absolvierte sie ein Teacher Training bei Power Yoga Germany. Derzeit schwört Stefanie auf Yin Yoga und wird im Juli bei dem Gründer Paul Grilley lernen.

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