Spirit Voyage

Yogawissen: Was ist Pranayama?

Von Liz McCollum

Yogapositionen sind meistens das Erste, was angehende YogaschülerInnen lernen. Viel Zeit wird auf das Üben von Yogareihen wie zum Beispiel dem Sonnengruß oder den 26 Positionen des Bikramyogas verwendet.  Einige Yogaformen konzentrieren sich ausschließlich auf die körperlichen Seiten des Yogas. Sie vernachlässigen dabei einen weiteren tiefgreifenden Aspekt des Yogas:  Das Pranayama. Das Wort Pranayama bezieht sich auf den Atem. Bewusstes Atmen mag, oberflächlich besehen, manchmal ein wenig eigenartig wirken. Der ein oder andere zweifelt vielleicht auch an der Nützlichkeit von Atemübungen. Tatsächlich spielt das bewusste Atmen eine wichtige Rolle in vielen Yogarichtungen.  

Nach Aussage von B.K.S. Iyengar ist Pranayama eine bewusste  Verlängerung des Einatmens, der Atempause und des Ausatmens. Diese sehr überschaubare Definition erklärt nicht, weshalb jemand bewusst die Rate seiner Atemzüge verändern sollte. Um Pranayama zu verstehen, ist es hilfreich das Konzept von „Prana“ zu begreifen.  Yogi Bhajan sagte: “Prana ist das Mächtigste und Kreativste, das Gott je schuf, denn aus  Prana entsteht Leben.“ Was ist Prana? Yogische Texte beschreiben Prana als die Energie des Universums.  Diese Energie beinhaltet das Schaffende, das Erhaltende und das Zerstörende. Weil Prana alles im Universum durchdringt, wird diese Energie als der Atem des Lebens angesehen. 

Yogis haben bewussten Zugriff auf die Lebensenergie und können den Fluss des Pranas im Körper verstärken. Das wird durch das Praktizieren verschiedenster Atemtechniken (Pranayamas) möglich, die seit Generationen von Yogis weitergegeben und immer wieder verfeinert wurden. Pranayama Übungen beeinflussen den Atem auf ganz  unterschiedliche Weise: Man kann die Ein- und Ausatmung verlängern  oder verkürzen, man kann den Atem anhalten oder rhythmisch atmen.  Die Auswirkungen der Atemübungen auf Körper und Geist können sehr nachhaltig sein.  Pranayama kann wahrnehmbar die Stimmung und die Körperenergie verändern.   Im Kundalini Yoga werden daher oft Mudras (Handhaltungen) mit Mantras und Atemübungen kombiniert. Man erhält auf diese Weise gezielte Ergebnisse. Auch in anderen Yogarichtungen wie  Ashtanga und Bikram werden bestimmte Atemübungen als Teil der täglichen Yogapraxis ausgeführt. 

Ashtanga Yoga SchülerInnen etwa lernen das sogenannte Ujjayi Pranayama. Diese spezielle Atmung wird manchmal Siegeratem oder Ozean – Atem genannt. Sie stärkt den Pranafluss im Körper. Ujjayi kann sehr hilfreich für Anfänger sein, weil man hier dem eigenen Atem bewusst lauscht. Das ist eine gute Wahrnehmungshilfe dafür, wie der Atem auch während des Übens fließt.  Wenn ein Yogaschüler die Ujjayi Atmung während einer bestimmten Yogaposition unterbricht, dann weiß er, dass er sich gerade zu sehr angestrengt und dabei vergisst zu atmen. Wenn man die Ujjayi Atmung aufrechterhält, dann hält man nicht nur den Pranafluss aufrecht. Eine gute Atmung zeigt an, dass man sich weder körperlich noch geistig überanstrengt.

Ashtanga Yoga: The Primary Series DVD

Die Bikram Sequenz beispielshalber beginnt mit einem Pranayama und endet mit einem anderen Pranayama.  Die Abfolge beginnt mit dem   „Tiefen Atem im Stehen.“ (Standing Deep Breathing). Diese Übung ist gut für die Lungen, das Nervensystem, unterstützt Entgiftungsprozesse  und hilft der mentalen Entspannung. Eine Bikram Folge endet mit der Kapalbhati Atmung, das ist eine energetisierende und reinigende Atemübung. Diese beiden Pranayama Übungen sind integraler Bestanteile einer Bikram Folge. 

B.K.S. Iyengars Klassiker „Licht auf Yoga“ ist eine wunderbare Ressource des Wissens für  Iyengar Yogis und für jeden, der etwas über klassisches Pranayama lernen möchte.   Pranayamaübungen wie zum Beispiel Sitali and Pratiloma werden abschnittsweise erklärt, so dass Anfänger und auch Fortgeschrittene  die Übungen auf ihrem jeweiligen Level  praktizieren können.  Das Buch ist voller Bilder, welche die Details aufzeigen. Außerdem enthält das Buch eine Fülle von Vorschlägen, welche Hilfsmittel man wie zur Unterstützung einsetzen kann, um eine korrekte Haltung für die jeweilige Atemübung einzunehmen.   Weil das Iyengar Yoga sehr beeinflusst ist vom klassischen Yoga nach Ptanajali, spielt Pranayama dort eine größere Rolle als in vielen anderen Yogarichtungen.

Licht auf Pranayama von B.K.S. Iyengar

Kundalini bietet eine scheinbar unendliche Auswahl an Pranayamaübungen an. Im Kundalini Yoga findet man Atemübungen wie die wechselnde Nasenlochatmung, Feueratem oder den „Eine Minuten Atmung“.   Was Kundalini Yoga von anderen Yogaarten unterscheidet, ist die Art und Weise wie die Pranayamas eingesetzt werden.  Indem sie mit Kriyas, Mantras und Mudras verbunden werden, können sie für bestimmte Zwecke wie Stärkung, Heilung, Vitalisierung, Reinigung u.v.a. verwandt werden.   Das Buch von Harijot Kaur Khalsa’s  Praana Praanee Praanayamenthält eine große Fülle an Pranayama Übungen, die helfen mehr innere Weite zu erfahren, deinen Energielevel zu erhöhen und dich gesund und heil zu machen.  

Praana Praanee Praanayam von Harijot Kaur Khalsa

Das Erkunden von Pranayamas kann eine prima Ergänzung zu deiner persönlichen Yogapraxis sein.  Atemübungen können dich befähigen, deine Stimmung positiv zu verändern, die Ausübung der Asanas bereichern und deine Meditation vereinfachen.   Du benötigst nur deinen Atem: Pranayamas kannst du letztendlich immer und überall praktizieren.

 

 

Comments are closed.