Spirit Voyage

Die goldene Kette – die Geschichte des Yoga

“Die Ashrams (Ashram = Haus des Lehrers) und Gurus im altertümlichen Indien waren so etwas wie mentale Seminarstätten. Die Lehrer unterrichteten und formten dabei den Geist der Menschen zu mehr Klarheit und Stärke. Darüber hinaus forderten sie rechtschaffendes Handeln in allen Lebenssituationen. Wenn nun sämtliche spirituelle Lehrer beginnen würden, das Vertrauen in das Selbst zu kräftigen und aufhören würden, den Glauben an die Persönlichkeit zu stärken, dann würde diese Welt der Himmel sein. Dieses Dasein mit seinem unendlichen Geist steht dir zur Verfügung. Du benötigst Führung und Übung, um das zu erfahren und zu manifestieren.“    ~Yogi Bhajan

Die Geschichte des Yoga ist alt. Es bildeten sich während  mehrerer Jahrtausende unterschiedliche yogische Denkweisen aus. Wenn man das würdigt und einiges über den Hintergrund dieser Tradition weiß, dann ist man eher in der Lage bestimmte Gesetzmäßigkeiten in der Entwicklung der Yoga Philosophie zu verstehen. Man versteht, dass die Yogalehrenden und die Yogaübenden wie einzelne Glieder einer langen, goldenen Yogakette sind, deren Urprung in längst vergangenen Jahrtausenden zu finden ist.

Hier ein kurzer Blick auf die die yogische Zeitachse …

Prähistorische Epoche (?-1800 v. Chr.)

Die Archäologie kann uns nur wenige Hinweise in Bezug auf den Yoga während der sogenannten prähistorischen Epoche geben. Es existieren nur noch bruchstückhafte Aufzeichnungen aus späteren Zeiträumen, die auf den Yoga während  jener Zeitspanne verweisen.  Yogi Bhajan lehrte, dass die ältesten Referenzen auf den Yoga in tibetischen Schriftrollen zu finden sind, die blühende Hochkulturen beschreiben, die vor etwa 40000 Jahren existiert haben sollen.  Massive Wetterveränderungen führten zu Völkerwanderungen und nachfolgend zu gegenseitigen kulturellen Befruchtungen. Das wiederrum bahnte den Weg für die ersten Gedanken zum Thema Yoga. Um den Zeitraum um 1800 v. Chr. herum werden die geschichtlichen Hinweise deutlicher. Es gilt als gesicherte Erkenntnis, dass es zu jener Zeit Städte gab mit ungefähr 50000 Einwohnern und dass dort meditiert wurde. Die Menschen damals kannten Symbole für das Göttlich –Männliche und das Göttlich –Weibliche.

Vedische Epoche (1800 v. Chr. – 1000 v. Chr.)

Die kulturellen Wurzeln des Yoga während dieser Zeitperiode wurden von einem indo – europäischen Volk (den sogenannten Ariern) aus Zentralrussland bestimmt. Ihre Sprache war das heute noch geläufige Sanskrit. Das Herzstück ihrer Kultur war der hohe Wert der Selbstdisziplin.   Das Mahabharata  („die große Geschichte der Bharatas = Brüder“) ist das bekannteste indische Epos. Es wurde erstmals zwischen 400 v. Chr. und 400 n. Chr. niedergeschrieben, wurde aber während der vedischen Epoche kreiert. Es umfasst etwa 100.000 Doppelverse. Es beschreibt die lange Zeitspanne des Eindringens des oben genannten Volkes in Indien. Auch die berühmte Bhagavad Gita ist Teil des Mahabharata. Die frühesten Versionen des Mahabharatas geben Überlegungen zu den Themen Disziplin und Sadhanas (freiwillige Verpflichtung zu Selbstdisziplin) wieder. Auch herrschte ein tiefer Glaube an metaphysische Seinszustände vor.  Als die Arier die Indus Kultur miteinander verschmolzen, brachten sie die Veden (Buch des Wissens) hervor. Dieses Buch wurde von den größten Weisen jener Zeit verfasst.

Brahmanische Epoche (1000 v. Chr. – 800 v. Chr.)

Die Priesterklasse der Brahmanen begann das yogische Wissen zu kontrollieren. Während dieser Zeitspanne war die Ausübung des Yoga besonders ritualisiert.

Die Epoche der Upanischaden (800 v. Chr. -500 v. Chr.)

Die Upanischaden (wörtl. „das Sich-in-der-Nähe-Niedersetzen“; gemeint ist damit: „sich zu Füßen eines Lehrers setzen“, aber auch geheime, belehrende Sitzung) sind eine Sammlung philosophischer Schriften. Bestandteil dieser Schriften sind von asketischen und brahmanischen Weisen verfasste  überschäumend emotionale Texte.  Man richtete sich vehement gegen die Anbetung von Ikonen beziehungsweise Bildern und setzte auf eine persönliche Lehrer – Schüler – Beziehung.  In den Yoga-Upanischaden findet man genaueste Anweisung zur Ausführung des Yogas.

Die Epoche der Gita (500 v. Chr. – 200 n. Chr.)

Die Gita – Epoche (wörtlich „Lied“) war eine wichtige Zeit großer Veränderungen. Die Upanischaden wurden gelehrt, das Ramayana (zweites großes indisches Nationalepos) geschrieben. Dieses Epos beschreibt die Liebe zwischen Sita und Ram. Hier werden die Werte aufgezeichnet, die zur Befreiung führen. Auch die Bhagavad Gita wurde verfasst.  Die Gita ist ein Gespräch zwischen Krishna und Arjuna. Es findet auf dem Schlachtfeld statt. Metaphorisch wird hier Karma – Yoga unterrichtet. Karma – Yoga ist der Yoga des selbstlosen Dienens.

Die klassische Epoche (200 n. Chr. – 800 n. Chr.)

Das war eine bedeutende Zeitspanne der Schulung. Während dieser Epoche entstanden die sechs wichtigen Schulen des Yogas. Sie hießen: Purva Mimamsa (die den Veda als höchste Autorität anerkennen und den Sinn der heiligen Worte erörtern), Vedanta (das Studium der Veden und das Befolgen der Rituale wurden als Voraussetzung für das Studium des höheren Wissens, des Vedanta, angesehen), Samkhya (das Samkhya gilt als eines der ältesten philosophischen Systeme indischen Ursprungs), Yoga (einige meditative Formen von Yoga legen ihren Schwerpunkt auf die geistige Konzentration, andere mehr auf körperliche Übungen und Positionen sowie Atemübungen, andere Richtungen betonen die Askese. Die philosophischen Grundlagen des Yoga wurden vor allem von Patanjali im Yoga Sutra zusammengefasst) Vaisheshika (es handelt sich um eine naturphilosophische Lehre, deren Anliegen die Erfassung der natürlichen Phänomene war), Nyaya (das Nyaya setzt sich vorrangig mit den Themengebieten Erkenntnistheorie und Logik auseinander).  Während der klassischen Epoche wurden die Yoga Sutras (kurzer Leitfaden) des Patanjali auf Papier gebracht.

Die Epoche der Puranas (800 n. Chr. – 1469 n. Chr.)

Die Puranas wurden niedergeschrieben. Die Puranas gelten ihren Anhängern als Offenbarungen göttlichen Ursprungs. Die Puranas sind die ersten Schriften des Hinduismus in denen einer persönlichen Gottheit Verehrung zukommt, weshalb sie auch als Quelle in Bezug auf die Theologie des Bhakti – Yoga (Yoga der Liebe und Hingabe) angesehen werden.  Alle Puranas sind primär der Anbetung einer Gottheit gewidmet und beschreiben Zeremonien und Feste zu deren Verehrung. In dieser Epoche liegt die Betonung auf der Ausübung  des Tantra: Die geheimen Lehren über die Chakras und die Aura in Bezug auf das menschliche Drüsensystem breiteten sich aus.  Ein Schwerpunkt der damaligen Lehren wurde die Disziplin eines täglichen Sadhanas um das Bewusstsein zu erheben.  Während jener Zeit begann man zum ersten mal zu akzeptieren, dass ein Mensch kein Asket werden musste, um Yoga zu praktizieren.  Das ließ die sogenannte Shakti – Philosophie wachsen. Die Shakti – Philosophie ist Teil des Kundalini – Yogas. Shakti ist die weibliche Urkraft des Universums.

Die Bhakti Epoche (1469 n. Chr. – 1708 n. Chr.)

Während der Bhakti – Periode wurde der Status des sogenannten yogapraktizierenden Hauseigentümers gegenüber dem des yogaübenden Asketen angehoben.  Während jener Zeit  der Glaubenskriege zwischen Hindus und Moslems wurde das Wissen der sogenannten 10 Gurus geboren, die den Siri Guru Granth Sahib erschufen. Der Siri Guru Granth besteht aus einer Sammlung von Hymnen, die von Weisen verschiedener Glaubensrichtungen stammen.  Die Schrift selbst ist der Lehrer (der Guru).   Die Sikh Gurus setzten den Akzent auf die Nicht – Bindung, das Dienen und den heiligen Namen (Identität).

 

 

 

Die moderne Epoche (1708 n. Chr. – 2011 n. Chr.)

Britisch-Indien (British India oder British Raj ) war die Bezeichnung für das von 1858 bis 1947 unter direkter britischer Kolonialherrschaft stehende Territorium, das den gesamten indischen Subkontinent und Teile Hinterindiens umfasste. Die Regierungszeit der Briten über Indien änderte die Richtung der hingabevollen Bhakti – Leidenschaft und ließ die Trennung von Religion und Staat und den Gedanken des Materialismus wachsen. Anfang des 20 Jahrhunderts begann eine Abwanderung vieler bekannter Yogalehrer wie Vivekananda, Yogananda, Krishnamurti, Yogi Bhajan und anderer Meister in den Westen.  Das führte zu einer Verbindung von östlichem und westlichem Wissen. Frauen-, Schwangeren- Rückbildungs – und Kinderyoga sind direkte Resultate dieser Fusion. Während der modernen Epoche geht es um Entdeckung, Erweiterung und Vereinigung.

Die Epoche des Wassermannzeitalters (2011 n. Chr – ?)

Es ist eine Epoche der Globalisierung.  Erfahrungen müssen authentisch und universell sein.  Jede und jeder wird spirituelles Handwerkszeug nutzen, das wirksam ist, egal aus welcher Tradition es stammt.  Wie lang, intensiv, bereichernd und schön diese Zeitspanne sein wird, das liegt ganz an uns. Wir alle sind die Pioniere des Wassermannzeitalters.  Yogi Bhajans Lehren sind speziell darauf ausgerichtet, Menschen während dieses Zeitalters zu unterstützen.

 

 

 

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Bettina Sat Hari Kaur Stülpnagel – Pomarius ist ausgebildete Schauspielerin und Kundalini Yoga Lehrerin. Sie hat 10 Jahre in dem Guru Ram Das Ashram in Hamburg gelebt und dort ihre Yogaausbildung absolviert. Außerdem hat sie über viele Jahre hinweg den Yoga direkt bei ihrem spirituellen Lehrer Yogi Bhajan gelernt. Sie ist eine der leitenden Trainerinnen in den 3H0 Fachausbildungen zur Yogalehrerin für Schwangere in Hamburg, Berlin und in Mülheim (in Aufbau) . Sie ist geprüfte Heilpraktikerin, Hypnosetherapeutin und NLP – Lehrtrainerin. Sat Hari Kaur hat drei Bücher rund um Yogathemen geschrieben, die bei Rowohlt und im Herder – Verlag erschienen sind. Außerdem hat sie verschiedene Artikel für Yogamagazine und medizinische Fachzeitschriften zu Papier gebracht. Über mehrere Jahre hinweg hat sie Yogaserien für die Frauenzeitschrift „Für Sie“ entwickelt. Sat Hari Kaurs Aufgabe bei Spirit Voyage Deutschland ist die Leitung der Redaktion des Blogs.

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