Spirit Voyage

Wie geben wir unsere Erde die Aufmerksamkeit die sie verdient?


Von den Chinesen können wir einiges lernen. Man hat mir gesagt, sie hätten ein und dasselbe Schriftzeichen für die Krise und für die Chance.“ – Richard von Weizsäcker –

Yoga macht ein offenes Herz und einen wachen Verstand. So verstören die Nachrichten der vergangenen Woche so manche Yogini und so manchen Yogi. Was kann man tun, um diesen wunderbaren, blauen Planeten zu unterstützen?

In der vergangenen Woche verstörten mich die folgenden Informationen:

- Die Regenwälder Sumatras sind stark gefährdet, die wertvollen Ökosysteme werden abgeholzt, weichen den Plantagen zur Herstellung von Palmöl oder Papier. Die Heimat der Orang-Utans und des Sumatra-Tigers ist in weiten Teilen von Menschenhand zerstört.

- Der Ölkonzern Shell beabsichtigt ab Juli diesen Jahres vor der Nordküste Alaskas nach Öl zu bohren und riskiert damit eine Katastrophe in einer der letzten unberührten Naturlandschaften der Erde. Der Wettlauf am Nordpol hat begonnen: Laut Greenpeace konkurrieren fünf Anrainerstaaten um die Bodenschätze der Arktis.

- Europäische Riesentrawler plündern täglich vor der Küste Westafrikas die Meere, laut Greenpeace ist dafür eine verfehlte europäische Fischereipolitik verantwortlich, die Fabrikschiffe mit Steuergeldern päppelt.

- In Textilfabriken in Indien werden minderjährige Mädchen wie Sklavinnen gehalten, hausen in Ställe gepfercht, schlafen ohne Bettstatt und Decken. Das beweisen Recherchen von Reportern des „Auslandsjournals“. Wenn die Mädchen krank werden oder sich an den Maschinen verstümmeln und so ihren „Vertrag“ nicht erfüllen, werden sie wie Vieh auf die Straße geworfen. Die Selbstmordrate ist hoch, die Mädchen verbrennen sich selbst. Textilkonzerne wie Zara, H&M, Tom Tailor, C&A könne die Kette ihrer Zulieferer nicht lupenrein nachweisen und dürfen daher auch nicht behaupten, mit ihrem Handel derart menschenverachtende Methoden nicht zu dulden.

- Dann las ich von einer Milliardärstochter, die „Kelly Bags“ sammelt. Die junge Frau besitzt 24 dieser Luxushandtaschen, in allen erhältlichen Farben, ein Exemplar kostet schätzungsweise 5000 Euro, je nach Ausführung mehr. Die Taschen stehen, ordentlich aufgereiht, in einer Vitrine ihres Ankleidezimmers. Die größte Leidenschaft der jungen Frau ist Shoppen.

Ich versuche meinen Töchtern die Welt zu erklären. Nach einer Woche mit derartigen Nachrichten möchte ich meinen Job als Mutter kündigen, ratlos mit den Schultern zucken, den Kopf in den Sand stecken. Es übersteigt meine Fähigkeiten. Ich kann meinen Kindern nicht nachvollziehbar erklären, warum wir Menschen diesen wunderbaren Planeten derart malträtieren und ausbeuten. Ich stelle mir vor, meine 15-Jährige Tochter müsste nur eine Woche in einer indischen Textilfabrik schuften, ohne regelmäßiges Essen, ohne Bett, ohne Schutz. Ein absolut hilfloses Gefühl überwältigt mich.

Ich habe den Impuls alle Orang-Utans in Sumatra retten zu wollen und die Männer zu bekehren, die ihre Heimatwälder illegal mit Feuer roden und alle Tiere und Pflanzen gleich mit anzünden. Ich möchte der Milliardärstochter in London einen Besuch abstatten, um sie zu bitten, ein Teil ihres Vermögens Naturschutzorganisationen zu spenden und ein paar weniger Handtaschen zu kaufen. Ihren prominenten Namen zu nutzen, um beispielsweise Greenpeace, den WWF oder die PETA zu unterstützen.

Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, mit dem Beginn der Industrialisierung in England, hat die Menschheit es bewerkstelligt, „unserem“ Planeten und seiner Spezies großen Schaden zuzufügen. In vergleichsweise kurzer Zeit ist unermesslich großer Schaden angerichtet worden. Gier und Macht sind Motoren dieser Entwicklung. Der Gelehrte Jiddu Krishnamurti sagte: „Leid ist Leid und Liebe ist Liebe, bei den Reichen wie bei den Armen.“

In dem Buch „Vollkommene Freiheit“– Das Krishnamurti Buch (Verlag Krüger, 1999) referiert der Gelehrte in einem Vortrag „Das Leben, das vor uns liegt“ darüber, wie wir durch Aufmerksamkeits-Schulung den Problemen der Menschheit begegnen können. Mir persönlich machen seine Anregungen Mut, weiterhin meine Kinder zu großem Respekt gegenüber der Natur, allen Tieren und allen Menschen zu erziehen. Auch wenn es heute kompliziert, teuer und manchmal aussichtslos erscheint. Ich möchte und muss weiter daran glauben, dass ein Einzelner zum Erhalt des Planeten beitragen kann und sollte. Ich kann es nicht erklären, es ist nicht wirklich ein Glaube, ich weiß es einfach. Wir alle sind hier, weil wir eine Aufgabe zu erledigen haben. Ich stelle mir manchmal vor, dass eventuell meine Töchter später bei Krisen und Konflikten helfende Ideen entwickeln könnten. Ich bete, dass sie keinen Krieg um Wasser erleben müssen.

Die ersten Sätze Krishnamurtis des Kapitels „Das Leben, das vor uns liegt“ (Seite 163) lauten:
In unserer Welt der sich häufenden Krisen und Probleme scheint es mir dringend notwendig zu sein, eine vollkommen andere Art der Moral und des Verhaltens zu finden, ein Handeln, dass aus dem Verstehen des gesamten Lebensprozesses hervorgeht. Wir versuchen, diese Fragen durch politische und organisatorische Methoden, durch wirtschaftliche Neuregelungen und verschiedene Reformen zu lösen; doch keines dieser Dinge wird jemals die komplexen Schwierigkeiten der menschlichen Existenz lösen, auch wenn sie eine vorübergehende Erleichterung bringen mögen. (…)

Was kann der Einzelne unternehmen?

- Bleibt oder werdet aufmerksam.

- Spendet etwas Geld einer Naturschutzorganisation.

- Werft Blütenbomben in der Stadt, damit die Bienen weiter ihre wichtige Bestäubungsarbeit leisten können.

- Kauft ein paar T-Shirts weniger pro Saison oder öfter bei Firmen, die ihre Produkte 100 Prozent nachvollziehbar und fair fertigen.

- Überdenkt euer Konsumverhalten. Überdenkt den Fleischverzehr. Weniger ist immer mehr. Weniger ist Raumgewinn.

- Macht mit bei dem aktuellen Global Sadhana, um die Kinder dieser Welt zu segnen.

 

You may say I’m a dreamer, but I’m not the only one.“ (John Lennon)

Stefanie Alma Wilke ist am Meer aufgewachsen und arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin in Hamburg. Sie schrieb für Kultmagazine wie Allegra, Jetzt, Max und die deutsche Vanity Fair, die es heute allesamt nicht mehr gibt. Auch deshalb kümmerte sich die Autorin irgendwann um ihr seelisches Wohlbefinden und kam so, vor 11 Jahren, ins erste Bikram Yoga Studio in Deutschland. Kurze Zeit später begleitete sie Bikram Choudhury auf einer Reise nach Indien für eine Reportage, wahrhaft unvergessliche Wochen. Der Yoga ließ sie nicht mehr los und seither pilgert sie neugierig durch unterschiedliche Schulen. Im Jahr 2011 absolvierte sie ein Teacher Training bei Power Yoga Germany. Derzeit schwört Stefanie auf Yin Yoga und wird im Juli bei dem Gründer Paul Grilley lernen.

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