Spirit Voyage

Die Wirkung von Yoga – ganz wichtig sind die Meridian und Nadis

Ich übe schon seit Kindertagen bevorzugt bestimmte Körperhaltungen. Als Mädchen im Turnverein, als Teenager beim Aufwärmen zum Jazztanz (ich war leidlich begabt) und später dann beim „Bauch Beine Po“-Training im Fitnesscenter zu Discomusik (selbstverständlich mit Stulpen). Meine fünfjährige Pilates-Phase kam vor dem Yoga und seit zehn Jahren bin ich nun den Asana treu. Die stehenden Haltungen mag ich, wenn ich konditionell in guter Tagesform bin. Balance suche ich im gedrehten Dreieck oder im gedrehten Halbmond. So richtig wohl aber fühle ich mich (seit Kindertagen) am Boden in den Dehnungen. Grätsche hieß das früher oder wir übten den Spagat. So ist es geblieben und ich habe es nie hinterfragt. Ein Buch das ich seit kurzem studiere, liefert mir nun aufschlussreiche Erklärungen für meine Neigung.

Das Buch heißt „Meridian Dehnübungen“ von Shizuto Masunaga. Herr Masunaga ist Japaner und beschäftigt sich, wie der Titel verrät, mit den Meridianen. Die Parallelen zum Yoga sind verblüffend für mich. Kenner der Materie werden jetzt sagen: „Aber das ist doch klar!“ Ich persönlich finde es aber immer bemerkenswert, wenn 2000 Jahre alte Körperübungen (aus Japan oder Indien) und die daran geknüpften Weisheiten sich mir nicht nur praktisch (ich weiß ja, sie tun mir gut), sondern auch theoretisch offenbaren.

In dem Buch heißt es: „Das Konzept der Meridiane stellt einen Grundpfeiler der fernöstlichen Heilkunde dar, und die Anwendung dieses Prinzips bei der Behandlung von Krankheiten bringt große Heilerfolge aus vermeintlich unerklärlichen Gründen hervor. Doch was es mit den Meridianen wirklich auf sich hat, ist nach wie vor selbst den Praktikern fernöstlicher Heilkunde ein Rätsel.“ (Seite 44)

In den Meridianen (sie heißen Nadis in der Wissenschaft des Yoga) zirkuliert das Ki (im Yoga das Prana), eine subtile Energie. „Ki ist eine nicht greifbare und alles durchdringende Energie, die überall vorhanden ist, das Leben beseelt. Es ist die Kraft, die mit dem Rhythmus der Natur harmoniert, der sich im menschlichen Körper durch die Atmung manifestiert.“ (Seite 35)

Ich verehre diesen Satz: Eine alles durchdringende Energie, die das Leben beseelt. An dieser Stelle offenbart sich das göttliche Prinzip. Und wir dürfen mitschwingen. Es ist ein Wunder. Wir können unsere Körper und Seelen in Balance bringen, sie von Anspannung und Traumata befreien, sie heilen, mit Übungen, die weltweit in den unterschiedlichsten Kulturen gelehrt und geübt werden.

Eine simple Rückbeuge im Sonnengruß beispielsweise und wir dehnen das so genannte Konzeptionsgefäß: „Die Spannungslinien, die entlang der Mittellinie des Bauches entstehen, gehören zum Konzeptionsgefäß. Die Linien entsprechen dem Ki-Fluß, der alle Yin-Merdiane aussteuert. Beim Dehnen des Konzeptionsgefäßes öffnet man sich gewissermaßen der Außenwelt so dass Einflüsse von außen ohne Widerstand einströmen können. Das Konzeptionsgefäß ist ein Meridian mit 24 unabhängigen Punkten, der entlang der Mittelinie auf der Vorderseite des Körpers verläuft, vom Schambein bis zur Mitte des Unterkiefers. Für unsere Zwecke ist es jedoch einfacher, sich diesen Meridian als Spannungslinie vorzustellen, die dadurch erzeugt wird, dass wir den Oberkörper zurücklehnen und den Bauch herausstrecken.“ (Seite 65)

Ich werde weiter die Winkelstellung im Sitzen (Baddha Konasana) und im Liegen (Supta Baddha Konasana) genießen und nun weiß ich theoretisch auch warum: Ich dehne dabei meinen Herz-Kreislauf Meridian und vertreibe so meine Neigung zu Sorgen und Verspannungen im Solarplexus.

Ich möchte mit einem Satz aus dem Buch schließen, dessen Botschaft gleichermaßen simpel wie inspirierend ist:

Man muss sich von der Vorstellung lösen, dass ein Bewegungsablauf lediglich von den Körperteilen ausgeführt wird, denen gerade die Aufmerksamkeit gilt, und begreifen, dass jede Bewegung vom ganzen Körper vollzogen wird.“

 

Stefanie Alma Wilke ist am Meer aufgewachsen und arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin in Hamburg. Sie schrieb für Kultmagazine wie Allegra, Jetzt, Max und die deutsche Vanity Fair, die es heute allesamt nicht mehr gibt. Auch deshalb kümmerte sich die Autorin irgendwann um ihr seelisches Wohlbefinden und kam so, vor 11 Jahren, ins erste Bikram Yoga Studio in Deutschland. Kurze Zeit später begleitete sie Bikram Choudhury auf einer Reise nach Indien für eine Reportage, wahrhaft unvergessliche Wochen. Der Yoga ließ sie nicht mehr los und seither pilgert sie neugierig durch unterschiedliche Schulen. Im Jahr 2011 absolvierte sie ein Teacher Training bei Power Yoga Germany. Derzeit schwört Stefanie auf Yin Yoga und wird im Juli bei dem Gründer Paul Grilley lernen.

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