Spirit Voyage

Schule fürs Leben – Meine Zeit an der Miri Piri Academy (Yoga-Internat in Indien)

Dies ist die erste Newsletter 2012 von Levi Sat Baksheesh Singh (15 Jahre alt) von der Miri Piri Acadamy aus Amritsar. Es ist sein erstes Jahr auf der Schule. Im letzten Jahr hat der Potsdamer Schüler Sat Baksheesh Singh Gott und die Welt bewegt, um diese Schule besuchen zu dürfen.

 

Es ist Winter. Hier der Wetterbericht im O – Ton:

Guten Morgen! Und nun zum Wetter: Wir haben in Nordindien Tiefsttemperaturen von 7° Grad Celsius in der Nacht zu vermelden. In den Morgenstunden steigen die Temperaturen auf 8° bis 10°, mittags wird es mit 20° mäßig warm. Es weht ein leichter Nordost-Wind von den Himalayas bis in den Punjab hinein. Am Wochenende erwarten wir schönes Wetter mit Wolkenauflockerungen. Auch der Nebel löst sich bis dahin auf. Ich wünsche ihnen nun viel Vergnügung mit unserem Bollywood Special Ver und Zara, Namaste Ihr Rashmeesh.”

Wir Schüler tragen warme Jacken und Beinwärmer. Das Turbantragen wird dringend empfohlen, um Erkältungen zu vermeiden.

Das neue Jahr begann mit einem sogenannten “Humanologiekurs”. Die Schule hatte Besuch von zwei sehr berühmten, amerikanischen Yogalehrern. Sie redeten mit uns über die alte Sikhgeschichte, wir meditierten gemeinsam und sprachen über Sexualität.

Der „Humanologiekurs“ sollte uns dabei unterstützen, uns selbst besser kennenzulernen und schlussendlich, um etwas für das Leben dazuzulernen. Die beiden Lehrer waren ein Mann und eine Frau, sie hießen Shanti Kaur und Guru Tej Singh. Sie unterrichten uns sechs Tage lang. Guru Tej Singh unterrichtete die Jungs und Shanti Kaur übernahm die Mädchen. Manchmal wurden wir Jungen und Mädchen gemeinsam von den beiden unterrichtet. Das war ganz interessant und natürlich sehr spirituell. So einen Kurs hätte ich auch gerne mal in Deutschland gehabt. Ich mochte die beiden sehr gerne. Guru Tej war echt ein cooler Typ…Er hat früher bei der CIA gearbeitet, dann war er Yogi Bhajans Leibwächter und jetzt hat er sein eigenes Sicherheitsunternehmen. Und er hatte eine Menge Geschichten zu erzählen. Shanti war auch sehr nett, doch ich hatte nicht soviel mit ihr zutun.

Nachdem die beiden sich verabschiedet hatten, begann unsere besondere 40 – Tage-Sadhana-Periode. Das besondere Sadhana war diesmal ein spezielles Morgenyoga. Es bestand aus vier Teilen. Im ersten Teil machten wir ein paar Dehn- und Sprungübungen, um aufzuwachen. Im zweiten Teil praktizierten wir dann das sogenannte “Bowing Jaap Sahib”. Das Jaap Sahib ist eine Art gesungenes Gebet, zu dem wir uns eine halbe Stunde lang im 2/4 Takt verbeugten. Der dritte Part war die Meditation “Sa Ta Na Ma”. Und der letzte Teil bestand daraus, dass wir jeden Tag einen anderen der 40 Verse des Japji’s (Morgengebet der Sikhs) lasen und zwar 11 Mal insgesamt. Sadhana ist eigentlich ganz in Ordnung, doch manchmal auch ermüdend.

Den Januar hier an der Schule kann man auch den Monat des guten Essens nennen, denn wir haben zur Zeit die Dinnercompetitions (Wettbewerb um das beste Abendessen). Ich beginne ganz von vorne: Die gesamte Schülerschaft der Miri Piri Academy ist in vier Gruppen eingeteilt. Wie es in der Zauberschule Hogwarts (Internat von Harry Potter) die vier Häuser gibt, so haben wir hier auch vier Häuser: Das Blue-House, das White-House, das Gold-House und das Silver-House. Bis zum Jahresende sammeln die einzelnen Häuser (sprich Schülergruppen) Punkte. Ich gehöre zum Blue-House und wir waren als Erste dran, weil wir gerade punktemäßig die Nase vorn hatten. Man gab uns fünf Tage Zeit (am wenigsten Zeit von allen) um uns ein Thema auszudenken, das dazugehörige Essen, eine Abendunterhaltung und die Dekoration. Ganz schön viel Arbeit. Nach einem Tag voller Diskussionen entschieden wir uns für das Thema “Olympische Spiele”. Und dachten uns gleich Spiele wie Stopptanz, Welt Quiz und so weiter aus. Am Freitag hatten wir dann glücklicherweise frei und haben den ganzen Tag Gemüse für das Abendessen geschnippelt, Teig geknetet und ein riesiges Festzelt aufgebaut. Dann haben wir noch Lichterketten aufgehängt und so weiter und so weiter. Es sind so viele Sachen zur gleichen Zeit passiert, dass ich euch gar nicht alles auf einmal erzählen kann. Auf jeden Fall war am Abend das Zelt aufgebaut und aufgeräumt, das meiste Gemüse geschnippelt, ein ganzer Tanz einstudiert zum Lied „Waka, Waka“, das Lied “We are the world” haben wir auch noch mit allen geübt und sind dann alle geschafft ins Bett gegangen.

Am nächsten Tag um 6 Uhr trafen wir uns wieder. Wir hatten noch so viel zu tun, das wussten wir. Wir begannen gleich mit der Arbeit: Die Deko zu malen, Lautsprecher und Keyboards aufzustellen, Tische zu holen und zu decken, Servietten zu falten, Teller und Besteck hinzulegen und so weiter.

Um fünfzehn Uhr haben wir mit dem eigentlichen Kochen und Backen angefangen. Um 18:13 Uhr war tatsächlich alles fertig und da kam schon mein Auftritt! Denn ich war der olympische Fackelträger, der bei den Olympischen Spielen immer auf eine ein wenig seltsame Art und Weise reingerannt kommt. Also bin ich ins Zelt gerannt, habe in einer Schale mit Ghee (Indisches Butterreinfett) das olympische Feuer entfacht, unsere Gäste begrüßt und das Essen angepriesen. Es gab Folgendes: Als Vorspeise haben wir Mozarella-Tomaten-Suppe serviert. Unsere Hauptspeise bestand aus Lasagne, Süßkartoffeln und mit Käse überbackenem Broccoli. Als Nachspeise servierten wir Apfeltaschen mit Vanilleeis und Karamell. Zu Trinken gab es erst Limonen Schorle und dann Heiße Schokolade. Während die Gäste ihr Essen bekamen, haben wir auf der Bühne unsere ausgedachten Spiele gespielt. Danach gab es den „Waka Waka“-Tanz und zum Abschluss den „We are the world“ – Song. Ich glaube, dass wir sehr gut waren. Es folgten in den darauffolgenden Wochen das Goldhouse- und das Whitehousedinner.

Unser Gruppenleiter hat uns gesteckt, dass er ahnt, dass wir bis jetzt ganz vorne liegen… Ich bin mal gespannt.

Nun eine ganz kurze Übersicht über die anderen Abendessen. Um alles zu beschreiben, würde die Zeit nicht reichen. White-House hatte Zirkus als Thema und das Gold-House – Thema war die Winterzeit. Beide Häuser hatten ein Festzelt mit Lichterketten. Bei Gold- und White-House war besonders cool, dass sie uns sagten, dass wir uns so verkleiden dürften, wie es zum Thema passte… Gold-House hat noch sehr viele Punkte bekommen, weil sie insgesamt vier verschiedene Getränke und überhaupt das vielfältigste Essen servierten. White-House konnte mit seinen überaus vielen Lichtern und dem runden Zelt punkten.

Eine andere Sache, die mich sehr gefreut hat, ist die, dass im zweiten Halbjahr unser Fußballteam angefangen hat zu trainieren. Unser Schulteam ist zwar lange nicht so gut wie mein Team zu Hause, aber es macht trotzdem sehr viel Spaß, weil man einfach spielen kann, wie man will und nicht besonders auf Positionen, Taktiken etc. achten muss. In zehn Tagen wird uns eine andere Schule besuchen und gegen uns Fußball spielen. Darauf freue ich mich schon. Die “American Embassy School” ist eine amerikanische Schule mit Sitz in Neu Delhi.

Das Fußballtraining hat begonnen, es gibt immer leckere Sachen zu essen, wir hatten eine Woche Kurs statt Schule…Was fehlt einem noch???

Mein Paket! Ich habe insgesamt sechseinhalb Wochen darauf gewartet und bin jeden einzelnen Tag zu der Paketstation der Schule gegangen. Ich habe schon angefangen, die Paketfrau echt zu nerven, bis es dann irgendwann- an einem Mittwoch, ich erinnere mich noch- ankam. Ich habe sechseinhalb Wochen gewartet und dann war es da und mir wurde nicht erlaubt, es gleich zu holen. Ich musste erst noch auf den nächsten Tag warten. Das war so fies. Da habe ich mich aber aufgeregt!!! Am nächsten Tag war die Freude dann um so größer

In meinem Paket waren massig viele Weihnachtssachen (Spekulatius, Schokomandeln, Schokoladencashews etc.). Dann noch Kekse, meine Festplatte mit Filmen, lange Unterwäsche (obwohl ich Mama ungefähr siebenmal gesagt habe, das ich keine will :D), Haribo, Milka, Mentos, Tütensuppen, Kartoffelbrei…Eben alles was man hier zum Überleben braucht. Jetzt (ungefähr einen Monat) später habe ich nur noch die Tütensuppen, den Kartoffelbrei, das Puddingpulver und die Vitamin C Tabletten. Habe eben viel geteilt und selbst gegessen. Neben dem großen Paket (20kg) habe ich noch ein zweites Päckchen von meinem Onkel Florian bekommen: “Vielen Dank Flops, wenn du das liest!” und noch ein Päckchen vom Daniel (“ Danke Daniel”). In dem war eine Brusttasche drin, weil mir ja mal 100€ geklaut wurden.

Und nächste Woche sollte eigentlich das Päckchen von meinen Klassenkameraden und eins von meinem Papa kommen.

Also, was man immer über die schlechte Post in Indien sagt, so was wie: “Ja, da kommt ja nie ‘nen Päckchen an!,” stimmt nicht, es dauert halt einfach länger.

Heute Abend wird das letzte Dinner stattfinden. Das Silver-House tischt auf. Das Thema wurde mir schon von einer Freundin verraten: Spanien. Es ist aber interessant, wie die das umsetzen werden. Jedes Haus kriegt insgesamt 300€ zur Verfügung, um das Dinner zu veranstalten, ich bin so gespannt.

Und dann eine Sache auf die ich noch 100mal gespannter bin, ist die Ankunft meiner Mutter in Indien in exakt 30 Tagen. Ich freue mich schon so dolle.

Also es könnte gut sein, das in meinem nächsten Newsletter öfter mal das Wort “Mama” vorkommt. Sonst könnt ihr euch noch auf den Parents-Day freuen, die Frühlingsferien in Rishikesh, Anandpur (da wo Yogi Bhajans Haus ist) und auf den Endstand des Spieles:

Miri-Piri-Academy vs. American Embassy School

 

Es hat mir sehr Spaß gemacht, über die Zeit hier zu berichten.

Wahe Guru Ji Ka Khalsa, Wahe Guru Ji Ke Fateh.

Euer Levi Sath Baksheesh Singh

 

 

Und so sieht ein gewöhnlicher Tag an der Miri Piri Academy aus:

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