Spirit Voyage

Backen ist Liebe zum Detail – veganes Kuchenrezept

Im November 2010 besuchte ich in Hamburg einen Workshop der Jivamukti-Yoga-Gründer Sharon Gannon und David Life. Die beiden in New York ansässigen Lehrer unterrichten einen unwiderstehlichen Vinyasa-Stil (fließende Sequenzen) zu lauter Musik. Ich genoss es sehr zu „Depeche Mode“ durch Kriegerhaltungen zu gleiten. Zu Beginn einer Jivamukti-Klasse chanten die Schüler „Lokah samastah sukhino bhavantu“: Mögen alle Wesen im Universum frei und glücklich sein, und mögen alle meine Gedanken, Wörter und Taten zu dieser Freiheit und dem Glück beitragen.

Und damit sind wir auch schon bei der Kernbotschaft der Jivamukti-Gründerin: Sharon Gannon ist Aktivistin und hat weit vor Jonathan Safran Foers Bestseller „Tiere Essen“ ein außerordentliches Buch geschrieben – „Yoga and Vegetarianism“ in dem sie ohne überflüssigen Pathos und mit gut recherchierten Fakten erklärt, warum es für unseren Planet gesünder ist, wenn die Menschheit auf vegetarische oder vegane Kost umsteigen würde. Viele Yogis leben nach diesem Ernährungsprinzip und Sharon schreibt warum: „The yogi strives to cause least amount of harm possible, and it is clear that eating a vegetarian diet causes the least harm to the planet and all creatures.“ Der Yogi möchte friedfertig leben und so ist vegetarische Kost die logische Konsequenz, um dem Planten und allen Kreaturen möglichst wenig zu schaden.

So viel zur Theorie. Wie sah und sieht die Praxis aus? Gleich nach dem Workshop startete ich einen Selbstversuch und stieg von vegetarischer Ernährung auf vegane Kost um. Für mich bedeutete das Abschied von guten Freunden: Kill your darlings! Keine Milch im Tee. Keine Käsebrote. Kein Marmorkuchen. War ich zum Essen zu Freunden eingeladen, packte ich meine veganen Pasten auf den Tisch. Und mit ihnen meine Argumente, die ich wie ein Kanzlerkandidat im Wahlkampf immer wieder zum Besten geben musste. Die Standartfragen meiner Mitmenschen lauteten: „Warum tust du dir das an?“ „Wird man davon nicht krank?“ Zu Silvester verkündete meine kleine Tochter unseren Gästen: „Mami isst nichts mehr.“ Ich wurde dünnhäutig. Mein Geruchssinn prägte sich noch stärker als gewohnt aus, und ich konnte es riechen, wenn jemand drei Häuser weiter ein Schnitzel briet. Vier Monate lang hielt ich durch. Dann holte ein großes Stück mittelalter Gouda mich zurück in meine persönliche Realität. Immerhin ein Stück Käse ohne tierisches Lab.

Meine ältere Tochter ist vierzehn und zieht seit einem knappen Jahr ihren veganen Speiseplan mit einer Konsequenz durch, die mich mit großem Erstaunen und Respekt erfüllt. Für Greta ist es ein politisches Statement, sie will sich nicht von getöteten oder ausgebeuteten Tieren ernähren. Sie studiert jede Lebensmittelpackung mit der Akribie einer Oberlehrerin und würde lieber hungrig ins Bett gehen bevor sie Ziegenkäse aus dem Biomarkt anrührt. Wenn sich ihre kleine Schwester ihr Brot mit Salami belegt, kann Greta vor Abscheu kaum an sich halten. Ich habe ihr aber erklärt, dass sie mit Dogmatismus und Verachtung ihre Mitmenschen nicht belehren und schon gar nicht umstimmen wird. An unserem Tisch wird Toleranz groß geschrieben (Schusswaffen sind auch nicht erlaubt).

In der Adventszeit hat meine Schwester ihrer Nichte einen veganen Kalender gebastelt: 24 verschiedene Schoko-Riegel und Köstlichkeiten, die sie bei „Veganz“ erstanden hatte, dem ersten veganen Supermarkt in Berlin (Schivelbeiner Straße 34). Das Verpackungsdesign der Schokoriegel hat mich beeindruckt, einer war schöner und cooler als der nächste, da sind wahre Künstler am Werk.

Der Slogan von Veganz lautet: Wir lieben Leben. Der Inhaber Jan Bredack, ein ehemaliger Vertriebsdirektor aus der Automobilbranche, erzählt, dass manchmal Kunden vor Glück juchzen, wenn sie die Pizza im Sortiment entdecken. Und täglich werden es mehr.

Im Yoga Journal vom Dezember gab es ein tolles Rezept für veganen Guglhupf („Bhakti Bhakti Kuchen“!) und ich erlaube mir, es an dieser Stelle weiterzugeben:

240g Dinkelmehl

50g Kakaopulver

100g Margarine

150 ml Sojamilch Vanille

140 g Rohrrohrzucker

1 Päckchen Vanillezucker

Zubereitung:

Alle Zutaten bis auf den Kakao und etwa einen Schluck Sojamilch werden mit einem Rührgerät zu einem schaumigen Teig verrührt. Die Hälfte des Teiges kommt in eine gefettete Guglhupf-Backform. Jetzt kommt der Rest – die Sojamilch und der Kakao – in den restlichen Teig. Erneut verquirlen.

Die zweite Hälfte des Teiges kommt nun in die Kuchenform. Mit einer Gabel wird der weiße Teig in kreisenden Bewegungen an die Oberfläche gehoben, damit danach beim Anschneiden schöne Wellenformen im Kuchen zu sehen sind.

Den Kuchen bei 160 Grad 35 Minuten lang backen und danach auf ein Kuchengitter stürzen. Wenn der Teig ausgekühlt ist, wird der Kuchen mit Puderzucker bestäubt.

Stefanie Alma Wilke ist am Meer aufgewachsen und arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin in Hamburg. Sie schrieb für Kultmagazine wie Allegra, Jetzt, Max und die deutsche Vanity Fair, die es heute allesamt nicht mehr gibt. Auch deshalb kümmerte sich die Autorin irgendwann um ihr seelisches Wohlbefinden und kam so, vor 11 Jahren, ins erste Bikram Yoga Studio in Deutschland. Kurze Zeit später begleitete sie Bikram Choudhury auf einer Reise nach Indien für eine Reportage, wahrhaft unvergessliche Wochen. Der Yoga ließ sie nicht mehr los und seither pilgert sie neugierig durch unterschiedliche Schulen. Im Jahr 2011 absolvierte sie ein Teacher Training bei Power Yoga Germany. Derzeit schwört Stefanie auf Yin Yoga und wird im Juli bei dem Gründer Paul Grilley lernen.

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